Richtig stillen

Gut gestillt – Wichtige Tipps und Erfahrungen fürs Stillen

Kaum auf der Welt, wissen Babys schon sehr genau, wo es besonders warm und kuschelig ist, vor allem aber, wo es auch was zu „futtern“ gibt. Babys folgen dabei ganz ihrem Instinkt und dem Geruch der Mama – denn der ist so einzigartig und unverwechselbar wie der Fingerabdruck eines Menschen.

Gerade nach der Geburt ist es wichtig, …

… dass beim sogenannten „Bonding“ dieser erste Hautkontakt zwischen Mama und Kind hergestellt wird. Auch das erste Anlegen an der Brust von Mama ist für Babys ein besonderes Erlebnis, das die Bindung zwischen beiden verstärkt und dem Neuankömmling so ein vertrautes und wohliges Gefühl gibt.

Um das Stillen drehen…

… sich viele Mythen und verschiedene Meinungen – für ein erfolgreiches Stillen ist vor allem aber wichtig, dass Du es selbst willst. Denn es bringt nichts, wenn Du Dich durch Dein Umfeld oder die Hebamme dazu „überreden“ lässt. Manche Mamas entscheiden sich aus bestimmten Gründen von Vornherein gegen das Stillen, und das ist in dem Moment glaube ich auch besser so. Denn nichts ist doch schlimmer, etwas gegen seinen eigenen Willen und seine innere Überzeugung zu tun, nur weil es vielleicht die anderen so erwarten – das bringt gerade beim Stillen gar nichts.

Mama und Baby

© Lisa Schwarz / PIXELIO

Das Geheimnis der Muttermilch

Wenn Du Dich dafür entschieden hast, Dein Kind zu Stillen, ist das schon mal eine gute Voraussetzung dafür, dass es dann auch wirklich klappt. Die positive Grundeinstellung zum Stillen ist wichtig, um sich auf dieses besondere „Mama-Kind-Erlebnis“ einzustellen. Es ist ein sehr schönes Gefühl, sein Kind „ganz natürlich“ ernähren zu können, doch es kann auch anstrengend sein, für Dein Baby, vor allem aber für Dich. Doch es lohnt sich: Dein Baby bekommt so alle wichtigen Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die es zum Großwerden braucht.

Die Muttermilch passt sich dabei stets den individuellen Bedürfnissen Deines Babys an: So enthält die Milch z.B. in einem Wachstumsschub mal etwas mehr, dann wieder etwas weniger Fettgehalt. Auch die „Rezeptur“ ändert sich ständig und ist dabei stets auf den Entwicklungsstand Deines Kindes angepasst – das schafft „natürlich“ keine Milchnahrung. Und die Muttermilch kann noch viel mehr. Durch Empfehlungen meiner Hebamme habe ich die Mutternmilch anfänglich auch als „Badezusatz“ verwendet, so bleibt die Haut schön zart und rosig. Auch wenn Deine Brustwarzen anfänglich wund sind, hilft es oft, wenn Du ein bisschen Muttermilch auf den empfindlichen Stellen verreibst und sanft einmassierst. Sollte Dein Baby einen wunden Po haben, kann auch hier ein bisschen Muttermilch für Linderung sorgen. Einfach ein paar Tropfen mit Deinen Fingern aufnehmen und auf den betroffenen Stellen verteilen. In der Muttermilch steckt also viel Gutes und sie ist (und macht) wirklich gesund.

So beginne ich mit dem Stillen

Beim Packen Deiner Krankenhaustasche solltest Du neben allen wichtigen Dingen für die Geburt auch an folgende Helfer zum Stillen denken:

  • Stilleinlagen: Die brauchst Du vor allem in der Anfangszeit, wenn Dein Milchfluss noch unregelmäßig ist und sich die „Mahlzeiten“ Deines Babys erst in einem Rhythmus von etwa 3-4 Stunden einstellen müssen. Auch später wirst Du die Stilleinlagen vor allem unterwegs brauchen, um Milchflecken auf Deinen Shirts oder Blusen zu vermeiden. Denn oft „schießt“ die Milch ganz plötzlich ein, z.B. wenn ein Kind weint oder Deine Brust bei längeren Stillabständen auch mal „überlaufen“ kann.
  • Still-BH: Um Dir das Stillen zu erleichtern, gibt es sogenannte Still-BHs, die sich mit einem Klickverschluss schnell und einfach öffnen lassen. So kannst Du Dein Kind jederzeit und überall problemlos stillen, ohne Dich jedes Mal fast ausziehen zu müssen. Dabei reichen 2-3 Still-BHs meistens aus, um bequem über die Stillzeit zu kommen. Alternativ gibt es auch Still-Hemdchen, die man vor allem zur kälteren Jahreszeit tragen kann.
  • Stillkissen: Ob im Liegen oder Sitzen – ein Stillkissen ist immer gut, um es sich in jeder Stillposition im Bett oder auf dem Sofa auch richtig gemütlich machen zu können. Und auch für den Sprössling lässt sich aus dem Stillkissen ein kuscheliges „Nestchen“ bauen, in dem Babys gern auch tagsüber schlafen. Bereits vor der Geburt nutzen es viele Mamas schon vorab zum Entspannen und legen das Stillkissen z.B. unter den Bauch oder in den Rücken, um so besser liegen und schlafen zu können
  • Stilltee

    © Sigrid Rossmann / PIXELIO

  • Stilltee: Um Deinen Milchfluss immer gut „am laufen“ zu halten, ist es wichtig, dass Du vor allem viel trinkst – 2-3 Liter am Tag sind dabei empfehlenswert. Ideal ist spezieller Stilltee mit Kümmel, Anis und Fenchel, den Du in der Apotheke oder in der Drogerie bekommst. Besonders in der Anfangszeit kann Dir der Stilltee helfen, Deinen Milchfluss anzuregen, und auch wenn Du einmal etwas weniger Milch hast als sonst, wirken die anregenden Inhaltsstoffe oft stillfördernd und können Deinen Milchfluss wieder ins Gleichgewicht bringen. Zusätzlich kannst Du auch Mineralwasser, leichte Fruchtschorlen oder andere ungesüßte Tees trinken, um Deinen Durst zu „stillen“. Koche Dir deshalb immer eine große Kanne Tee vor und stelle sie griffbereit in Reichweite Deines Stillplatzes – so kannst auch während dem Stillen immer ausreichend trinken und schaffst so problemlos Dein „Tagestrinkpensum“.
  • Still-Öl: In den ersten Tagen im Krankenhaus kann es sein, dass Du anfangs einige „schmerzliche“ Erfahrungen mit dem Stillen machen musst – das ist ganz normal und gehört bei einigen leider dazu. Wunde, teilweise blutige Brustwarzen sind oft die Folge von falschem Anlegen, nicht wie oft geglaubt, vom zu häufigen Anlegen. Doch bereits vor der Entbindung kannst Du Deine Brustwarzen durch sanfte Massagen mit Still- oder Schwangerschaftsöl darauf vorbereiten und sie so geschmeidiger und widerstandsfähiger machen. Sind die Brustwarzen einmal wund, helfen Salben wie Lanolin (Wollfett) oder Vaseline, um die Wundheilung zu beschleunigen.

Das richtige Anlegen beim Stillen

Das Stillen sollte für euch beide ein angenehmes und vor allem positives Erlebnis sein. Dauerhafte Schmerzen sind nicht notwendig und auch nicht normal. Häufig werden die Babys beim Stillen falsch angelegt und somit ein dauerhaftes „Wundsein“ der Brustwarzen verursacht. Beim Trinken sollte die Brust deshalb behutsam und vorsichtig in den Mund gelegt werden, so dass die Lippen geöffnet und der Gaumen die Brustwarze vollständig umschließt. Ein Ziehen und Zerren oder ein Dauernuckeln hingegen weichen die empfindliche Haut des Brustwarzenhofes auf und führen zu schmerzhaften Entzündungen oder gar Blutungen.

Beobachte Dein Baby deshalb beim Stillen und achte darauf, dass es den Mund weit genug öffnet hat und richtig saugen kann. Hilfreich sind dabei das Geräusch, das Dein Baby beim Saugen macht und die Bewegung des Ohrs, die durch das Schlucken verursacht wird. Bemerkst Du, dass Dein Baby nur nuckelt oder nicht richtig anliegt, nimm es sanft von der Brust ab, in dem Du den kleinen Finger vorsichtig in den Mundwickel schiebst und so den Ansaugdruck lösen kannst. In keinem Fall solltest Du Deine Brustwarze einfach aus dem Mund herausziehen, dass ist schmerzhaft und führt meistens zu Brustentzündungen.

Baby auf der Kuscheldecke

© Lisa Schwarz / PIXELIO

Stillpositionen

Die Schwestern im Krankenhaus und auch Deine Hebamme zuhause werden Dir sicherlich verschiedene Stillpositionen zeigen, die Du ausprobieren und für Dich die beste(n) heraussuchen solltest. Die meisten Mamas bevorzugen jedoch die sogenannte Wiegeposition, bei der der Kopf Deines Babys in der Armbeuge liegt und von Deinem Unterarm gestützt wird. Deinen Arm kannst Du dabei auf Deinem Stillkissen oder einer Sofalehne, idealerweise auch Deine Füße auf dem Couchtisch oder Hocker ablegen – denn das Stillen braucht vor allem Zeit und Ruhe. Wichtig ist also vor allem ein entspannter, stressfreier Ort, in dem ihr euch zurückziehen und einmal ganz allein für euch sein könnt. In der Nacht kannst Du Dein Kind auch im Bett stillen, um nicht jedes Mal aufstehen zu müssen. Auch Frauen, die eine schwere Geburt oder einen Kaiserschnitt hatten, bevorzugen diese Stillposition im Liegen vor allem in der Anfangszeit. Dabei liegst Du in Seitenlage dicht neben Deinem Baby und hältst sein Köpfchen mit dem unten oder oben liegenden Arm. Damit es gut auf der Seite liegen kann, kannst Du wieder Dein Stillkissen zur Hilfe nehmen und es so gut im Rücken abstützen. Achte auch hier auf das richtige Anlegen und beobachte Dein Baby bei seinen Saugbewegungen.

Auch beim Rücken- oder Kreuzgriff kannst Du es Dir im Sitzen gemütlich machen. Beim sogenannten Football- oder Rückengriff wird Dein Baby wie ein „Football“ unter den Arm gelegt – diese Stillposition ist vor allem für Mamas mit großem Busen oder mit Zwillingen geeignet. Beim Kreuz-Wiegegriff halten beide Hände sein Köpfchen – dieser Griff hilft vor allem Babys, die ein bisschen Unterstützung beim Anlegen brauchen.

So klappt’s mit dem Stillen

Aus Erfahrung kann ich sagen – Ruhe und Geduld sind die beste Medizin. Gerade in den ersten Tagen kann man beim Stillen ganz viel richtig, aber auch viel falsch machen. Denn zu häufiges oder falsches Anlegen führen nicht nur zu Schmerzen und im schlimmsten Fall zu einem Milchstau, es hemmt vor allem Mamas mit dem ersten Baby, es wieder versuchen. Stillen sollte etwas Positives und Schönes sein, ein inniges und vertrautes Gefühl für Mama und Kind vermitteln.

Es empfiehlt sich daher in der Anfangszeit, zunächst immer beide Seiten anzulegen – so wird die Milchproduktion angeregt und der Milchfluss zum „Laufen“ gebracht. Ist der Milcheinschuss geschafft, solltest Du bei jeder Milchmahlzeit immer zunächst eine Brust austrinken lassen. Legst Du jedes Mal beide Seiten an, ohne das eine Seite leer getrunken ist, besteht die Gefahr des „Überlaufens“, im schlimmsten Fall droht ein Milchstau – und das kann oft sehr schmerzhaft und unangenehm sein. Je nach Hunger und Entwicklungsstand Deines Babys, kann einmal nur eine Seite ausgetrunken, bei der nächsten Mahlzeit auch beide Seiten angelegt werden. Denn gerade im Wachstumsschub trinken Babys nicht selten die doppelte Menge, so dass sich auch die Stillmahlzeiten wieder zeitlich von einem ursprünglich 4-Stunden-Rhythmus auf 3 Stunden verkürzen können. Das ist völlig normal und nicht besorgniserregend.

Sessel zum Entspannen und Relaxen

© Rainer Sturm / PIXELIO

Hier noch ein paar Tipps und Erfahrungen aus der Stillpraxis

  • Ist Dein Baby beim Stillen ein bisschen müde oder fast eingeschlafen, kannst Du es unter dem Kinn leicht kitzeln und es so wieder zum Saugen animieren.
  • Achte darauf, dass Dein Baby den Mund richtig geöffnet hat und die Brustwarze vom Gaumen umschlossen wird – das Sauggeräusch und die Bewegung des Ohrs sind dabei wichtige Anhaltspunkte, um festzustellen, ob Dein Baby richtig trinkt.
  • Nach jeder Stillmahlzeit sollte Dein Baby ein „Prösterchen“ machen, das ist wichtig, um Verdauerungsstörungen, Bauchschmerzen und Koliken zu vermeiden.
  • Schaffe eine ruhige, entspannte Stillecke, in der ihr euch beide zurückziehen und die gemeinsame Stillzeit in „vollen Zügen“ genießen könnt.

Solltest Du dennoch Schwierigkeiten oder Probleme beim Stillen haben, …

… ist es wichtig, Deine Hebamme um Unterstützung zu bitten. In vielen sozialen Einrichtungen werden auch spezielle Stillberatungen und -treffs angeboten, bei denen Du Dich mit anderen Mamas austauschen und hilfreiche Tipps bekommen kannst. Weitere Erfahrungsberichte zum Stillen und Abstillen findest Du demnächst auch in unserem netfamilie-SPEZIAL, in dem wir ganz ausführlich über das Thema Stillen berichten.

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